Storyboard
Vom Wunderkind zum ersten amerikanischen Verdacht
Hugo Voss fällt bereits sehr früh durch eine ungewöhnliche Fähigkeit auf, große Mengen an Informationen aufzunehmen, miteinander zu verbinden und sich über lange Zeit nahezu vollständig auf ein bestimmtes Thema zu konzentrieren. Was später als seine sensorische Reizverarbeitungsstörung, SOR, sein Leben immer stärker einschränken wird, ist in seiner Jugend noch vergleichsweise schwach ausgeprägt.
Damals bringt ihm diese Besonderheit sogar Vorteile. Wenn ihn ein Thema interessiert, kann er sich darin regelrecht verlieren. Zahlenkolonnen, Geschäftsberichte, Kursentwicklungen und wirtschaftliche Zusammenhänge beschäftigen ihn stundenlang, ohne dass seine Konzentration nachlässt.
Mit 15 Jahren beginnt er, sich intensiv mit Unternehmen und der Börse auseinanderzusetzen. Er liest Geschäftsberichte und versucht zu verstehen, warum der Markt bestimmte Unternehmen anders bewertet, als er es aufgrund ihrer Zahlen erwarten würde.
Mit 16 Jahren geht er einen ungewöhnlichen Schritt. Er schreibt Investmentbanken an und schickt eigene Unternehmensanalysen mit. Zunächst dürfte das kaum jemand besonders ernst nehmen. Doch einige seiner Analysen sind so ungewöhnlich präzise, dass man auf ihn aufmerksam wird.
Schließlich landet Hugo bei der Deutschen Bank.
Dort zeigt sich schnell, dass sein Talent nicht darin besteht, die Zukunft vorherzusagen. Er erkennt vielmehr Widersprüche. Wenn Unternehmenszahlen, Erwartungen und Börsenbewertungen nicht zusammenpassen, beschäftigt ihn dieser Unterschied so lange, bis er glaubt zu verstehen, warum.
Hugo liegt dabei keineswegs immer richtig. Das ist für seine spätere Geschichte wichtig. Er trifft Fehlentscheidungen und verliert auch Geld. Aber seine Trefferquote ist ungewöhnlich hoch, insbesondere wenn irgendwo enorme Übertreibungen oder Fehlbewertungen entstehen.
Irgendwann verlässt er die Deutsche Bank und beginnt, ausschließlich für sich selbst zu arbeiten.
Er gründet keinen öffentlichen Investmentfonds und sammelt kein Geld fremder Anleger ein. Es gibt keine Tausenden Kunden, denen er Rechenschaft über ihre Einlagen schuldet.
Hugo handelt mit seinem eigenen Vermögen.
Zusätzlich leiht er sich Geld bei Banken und nutzt seine bestehenden Vermögenswerte und Wertpapiere als Grundlage für weitere Finanzierungen. Dadurch kann er Positionen eingehen, die erheblich größer sind als sein jeweils frei verfügbares Bargeld.
Gewinnt er, gehört der Gewinn ihm.
Verliert er, trägt er auch das Risiko selbst.
Der Neue Markt
Der entscheidende erste große Vermögensaufbau erfolgt während des Booms des Neuen Marktes.
Hugo erkennt früh, welche Euphorie sich um Technologie-, Medien- und Internetunternehmen entwickelt. Zunächst versucht er überhaupt nicht, gegen diese Entwicklung anzukämpfen.
Im Gegenteil.
Er verdient gewaltig daran.
Eines der wichtigsten Unternehmen für seinen Aufstieg wird EM.TV.
Hugo beteiligt sich früh und profitiert massiv von den steigenden Kursen. Je höher die Bewertung steigt, desto größer wird sein Vermögen.
Doch irgendwann beginnt genau das, was später typisch für ihn werden soll.
Er verändert seine Meinung.
Für Hugo ist es kein Widerspruch, ein Unternehmen zunächst für eine hervorragende Investition und einige Jahre später für vollkommen überbewertet zu halten. Er besitzt keine emotionale Loyalität gegenüber einer Aktie.
Als sich die Bewertung von EM.TV seiner Ansicht nach immer weiter von der wirtschaftlichen Realität entfernt, beginnt er auszusteigen.
Schließlich wechselt er die Seite.
Aus dem Investor, der am Aufstieg verdient hat, wird ein Spekulant auf den Niedergang.
Als EM.TV und große Teile des Neuen Marktes schließlich zusammenbrechen, verdient Hugo ein zweites Mal.
Er hat zunächst mit steigenden und anschließend mit fallenden Kursen Geld verdient.
Dieser Vorgang prägt sein Denken dauerhaft:
Eine Aktie ist für Hugo keine Überzeugung. Sie ist eine Bewertung zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Mit dem Zusammenbruch des Neuen Marktes wächst sein Vermögen erheblich. Gleichzeitig entsteht seine Reputation als jemand, der Euphorien erkennt – und irgendwann bereit ist, gegen sie zu wetten.
2001 – Hugo erwartet eine Abkühlung
Nach dem Platzen der Technologieblase erwartet Hugo, dass die Probleme nicht auf Technologieaktien beschränkt bleiben werden.
Er rechnet mit einer allgemeinen Abschwächung der Weltwirtschaft.
Besonders anfällig erscheinen ihm Branchen, deren Geschäft stark davon abhängt, dass Menschen und Unternehmen weiterhin viel Geld ausgeben.
Dazu gehören für ihn insbesondere Tourismus und Fluggesellschaften.
Hugo beginnt deshalb, entsprechende Positionen aufzubauen.
Seine Überlegung hat zu diesem Zeitpunkt nichts mit Terrorismus zu tun.
Er erwartet schlicht eine Rezession.
Dann kommt der 11. September 2001.
Die Anschläge verändern die Situation dramatisch. Die Aktienmärkte geraten unter Druck. Fluggesellschaften und Tourismusunternehmen werden besonders schwer getroffen.
Und Hugo sitzt bereits auf den passenden Positionen.
Er verdient erneut Milliarden.
Doch diesmal erzeugt sein Erfolg nicht nur Bewunderung.
Er erzeugt Verdacht.
Hamburg
Hugo stammt aus Hamburg.
Mohamed Atta, einer der zentralen Attentäter des 11. September, hatte ebenfalls in Hamburg gelebt und gehörte zur später sogenannten Hamburger Zelle.
Hugo lebt zu diesem Zeitpunkt längst in Monaco.
Er kennt Atta nicht.
Er kennt dessen Umfeld nicht.
Er hatte keine Kenntnis von den Anschlägen.
Aber aus amerikanischer Sicht sieht die Geschichte zunächst bemerkenswert aus:
Ein deutscher Investor aus Hamburg positioniert sich vor dem 11. September gegen Fluggesellschaften und Tourismusunternehmen und verdient anschließend Milliarden.
Amerikanische Behörden beginnen deshalb, sich für Hugo zu interessieren.
Seine Handelsgeschäfte werden rekonstruiert.
Kontakte werden überprüft.
Kommunikationsverbindungen werden untersucht.
Mitarbeiter und Geschäftspartner geraten in den Blick.
Die Frage lautet nicht, ob Hugo Geld verdient hat. Das ist offensichtlich.
Die Frage lautet:
Wusste er etwas?
Die Ermittlungen liefern darauf keine belastende Antwort.
Seine Positionen lassen sich wirtschaftlich erklären. Hugo hatte bereits vorher mit einer weltweiten Abschwächung gerechnet. Es findet sich keine Verbindung zu Atta oder zur Hamburger Terrorzelle.
Für ein Strafverfahren gibt es nichts.
Aber etwas Entscheidendes ist trotzdem passiert:
Hugo Voss hat zum ersten Mal die Aufmerksamkeit amerikanischer Ermittlungsbehörden auf sich gezogen.
Und sein Name wird von diesem Zeitpunkt an nicht mehr vollständig verschwinden.
Enron und WorldCom
Noch bevor dieser Verdacht richtig vergessen werden kann, liegt Hugo schon wieder richtig.
Ende 2001 kollabiert Enron.
Hugo hatte auch dort Zweifel an der Bewertung und an der wirtschaftlichen Darstellung des Unternehmens entwickelt und entsprechend auf fallende Kurse gesetzt.
2002 folgt WorldCom.
Wieder hat Hugo sich vorher gegen das Unternehmen positioniert.
Damit entsteht innerhalb weniger Jahre eine Reihe, die rückblickend immer ungewöhnlicher aussehen wird:
Neuer Markt.
EM.TV – zuerst nach oben, dann nach unten.
Die wirtschaftliche Abschwächung 2001.
Enron.
WorldCom.
Hugo hat bei vielen anderen Geschäften ebenfalls investiert. Einige davon funktionieren hervorragend, andere nicht. Er ist auch weiterhin ein großer Käufer von Unternehmen und Wertpapieren und keineswegs ausschließlich Shortseller.
Doch seine spektakulären Treffer bleiben im Gedächtnis.
Und genau in dieser Zeit entsteht die Frage, die Jahrzehnte später zum Kern des amerikanischen Verfahrens gegen ihn werden wird:
Ist Hugo Voss tatsächlich nur außergewöhnlich gut – oder weiß dieser Mann Dinge, die er eigentlich nicht wissen dürfte?
Während diese Frage in den Vereinigten Staaten erstmals auftaucht, beginnt Hugo 2002 gleichzeitig seine Beziehung zu Uruguay aufzubauen.
Plot 2 – Reichster Mann der Welt zieht nach Uruguay
Zu Beginn der 2000er-Jahre wird Uruguay für Hugo immer wichtiger. Er lebt zu dieser Zeit noch in seinem Penthouse in Monaco, doch seine SOR-Probleme nehmen bereits deutlich zu. Eine zentrale Rolle spielt deshalb Michael Schubert, Hugos rechte Hand. Schubert besitzt sein volles Vertrauen, bereitet Entscheidungen vor, führt in seinem Auftrag Verhandlungen und kann aufgrund weitreichender Vollmachten auch Verträge unterschreiben.
Er kennt Uruguay aus eigener Anschauung, prüft dort Grundstücke und Unternehmen und führt die notwendigen Gespräche mit Banken, Anwälten, Unternehmern und staatlichen Stellen. Die grundlegenden Entscheidungen bleiben bei Hugo, doch Schubert kann sie vor Ort umsetzen, ohne dass Hugo dafür selbst reisen muss.
Noch bevor die großen Bauvorhaben beginnen, investiert Hugo unmittelbar in die uruguayische Wirtschaft. Zwischen 2002 und 2004 fließt insgesamt rund eine Milliarde Euro in drei Bereiche: 400 Millionen Euro in eine Bank, 300 Millionen Euro in Land- und Forstwirtschaft und 300 Millionen Euro in den Mobilfunksektor.
Diese Investitionen sind von seinem großen Bauprogramm getrennt.
Ein neuer Lebensmittelpunkt entsteht
Parallel dazu lässt Hugo in Uruguay einen Komplex planen, der weit mehr werden soll als nur ein neuer Wohnsitz.
Der ursprüngliche Kostenrahmen liegt bei knapp 3,7 Milliarden Euro. Davon sind zunächst 1,7 Milliarden Euro für Bellaventra, 630 Millionen Euro für etwa ein Viertel des späteren Voss-Centers und 1,3 Milliarden Euro für die Wohnbereiche der Beschäftigten samt Infrastruktur vorgesehen.
Beim Voss-Center handelt es sich bewusst nur um den ersten Teil des späteren Gesamtprojekts. Dieses Viertel bleibt auch bis zu Hugos Einzug 2006 der vorgesehene Bauumfang. Die erheblichen Mehrkosten, die während der Bauphase entstehen, kommen also nicht dadurch zustande, dass das Voss-Center plötzlich vollständig gebaut wird.
Vor allem Bellaventra selbst wird wesentlich aufwendiger als ursprünglich kalkuliert. Auch die Wohnbereiche für die Beschäftigten und die technische Infrastruktur wachsen in Umfang und Qualität. Dadurch steigt der Gesamtaufwand für diese drei Bereiche bis zu Hugos Einzug im Jahr 2006 auf rund sechs Milliarden Euro.
Bellaventra als nach innen gerichtete Welt
Bellaventra soll dabei ausdrücklich nicht wie ein riesiger freistehender Palast wirken.
Das Anwesen ist nach innen orientiert, im Prinzip wie ein gigantischer Riad. Große Höfe, Aufenthaltsbereiche und die eigentlichen privaten Räume öffnen sich zum Inneren des Komplexes. Nach außen bleibt wesentlich weniger von seiner tatsächlichen Dimension sichtbar.
Ein Teil der Wohnhäuser für die Beschäftigten wird unmittelbar um Bellaventra herum errichtet und bildet damit zugleich einen Teil seiner äußeren Fassade. Wer von außen auf diesen Bereich blickt, sieht zunächst Wohnbebauung. Erst dahinter liegt Hugos eigentliche private Welt.
Die übrigen Mitarbeiterhäuser setzen diese Bebauung in der Umgebung fort. Bellaventra steht dadurch nicht isoliert in einer offenen Landschaft, sondern ist in einen größeren, bewusst geplanten Bereich eingebettet.
Zu diesem Gesamtprojekt gehört auch eine umfangreiche technische Infrastruktur. Es entstehen Straßen und Erschließung, Kanalisation, Kläranlagen, Versorgungsanlagen und die für die Gebäude notwendigen Klimasysteme. Teile dieser Infrastruktur werden zugleich so ausgelegt, dass Bellaventra und der bereits entstehende Abschnitt des Voss-Centers versorgt werden können.
Wohnungen für Bellaventras Beschäftigte
Die Mitarbeiterwohnungen sind dabei klar von der Belegschaft des Voss-Centers zu unterscheiden.
Hugo baut keine allgemeine Wohnsiedlung für die Beschäftigten des Voss-Centers. Die Wohnungen sind für Menschen vorgesehen, deren Arbeit unmittelbar oder mittelbar mit Bellaventra zusammenhängt: Hausangestellte, Sicherheitskräfte, Fahrer, Gärtner, technisches Personal, Wartungskräfte und andere Beschäftigte, die den gewaltigen privaten Komplex betreiben.
Dabei spielt die Herkunft keine Rolle.
Die Häuser sind ausdrücklich nicht nur für ausländische Mitarbeiter vorgesehen. Auch uruguayische Beschäftigte können dort wohnen. Entscheidend ist allein, dass ihre Tätigkeit zu Bellaventra gehört.
Das Wohnangebot soll auch keinen niedrigen Lohn ausgleichen. Hugo will seine Mitarbeiter sehr gut bezahlen. Die Wohnungen sind vielmehr eine zusätzliche Möglichkeit, in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatzes in modernen und vollständig erschlossenen Häusern zu leben.
So entsteht rund um Bellaventra nicht einfach eine Bedienstetensiedlung, sondern ein eigener Wohn- und Versorgungsbereich, der funktional mit dem Anwesen verbunden ist.
2006 – der reichste Mann der Welt zieht nach Uruguay
Während der neue Lebensmittelpunkt in Uruguay entsteht, wächst Hugos Vermögen weiter.
Im Jahr 2006, dem Jahr seiner Übersiedlung, beträgt sein geschätztes Privatvermögen 44,4 Milliarden Euro. Der Mann, der ohne Hugo zu diesem Zeitpunkt als reichster Mensch der Welt gelten würde, besitzt rund 42 Milliarden Euro.
Damit verändert sich die Bedeutung von Hugos Umzug schlagartig.
Es zieht nicht einfach ein weiterer Milliardär nach Südamerika.
Die internationale Schlagzeile lautet:
Reichster Mann der Welt zieht nach Uruguay
Für Uruguay ist das ein außergewöhnliches Ereignis. Der vermögendste Privatmann der Welt hat sich nicht nur entschieden, dort zu leben. Er hat sich bereits wirtschaftlich im Land verankert und gleichzeitig einen der ungewöhnlichsten privaten Baukomplexe geschaffen, die dort jemals entstanden sind.
Als Hugo 2006 einzieht, ist Bellaventra gegenüber den ursprünglichen Planungen erheblich größer und aufwendiger geworden. Das Voss-Center steht dagegen weiterhin erst bei dem vorgesehenen ersten Viertel. Seine späteren Erweiterungen sind zu diesem Zeitpunkt noch Zukunft.
Die Übersiedlung
Für Hugo selbst ist der Umzug allerdings alles andere als einfach.
Seine SOR-Probleme sind inzwischen so stark ausgeprägt, dass selbst eine vollständig organisierte Privatreise eine enorme Belastung darstellt. Mit seinem Airbus ACJ319 und seinem Airbus ACJ340-500 können Kontakte, Wartezeiten und unkontrollierbare Abläufe zwar weitgehend vermieden werden. Die Reizbelastung durch eine solche Reise lässt sich dennoch nicht vollständig ausschalten.
Bei seiner Ankunft in Uruguay ist Hugo körperlich und geistig vollkommen erschöpft und bricht zusammen.
Er wird direkt nach Bellaventra gebracht.
Damit beginnt ein vollkommen neuer Abschnitt seines Lebens.
Bellaventra ist inzwischen genau für eine Lebensweise geschaffen, die Hugo benötigt. Wohn- und Arbeitsräume, Freizeitbereiche, Spa und Wellness, Versorgung, Personal und Sicherheit befinden sich innerhalb des Komplexes oder in den unmittelbar angeschlossenen Bereichen.
Sein Zuhause ist groß genug, um ihm trotz seiner zunehmenden Abschottung Bewegungsfreiheit zu geben. Die nach innen gerichteten Höfe ermöglichen ihm Aufenthalt im Freien, ohne sich der öffentlichen Außenwelt aussetzen zu müssen.
Nach seiner Übersiedlung verlässt Hugo Bellaventra praktisch nicht mehr.
Ein Privatleben ohne Öffentlichkeit
Auch sein persönliches Umfeld bleibt weitgehend verborgen.
Die Frauen, die mit Hugo in Bellaventra leben, treten außerhalb des Anwesens nicht öffentlich als seine Partnerinnen auf. Wenn sie beispielsweise nach Montevideo fahren, um Kleidung, Schuhe, Taschen, Schmuck oder Parfüm zu kaufen, sind sie für Außenstehende normalerweise nicht als Teil von Hugos privatem Umfeld zu erkennen.
Dadurch bleibt selbst sein Privatleben weitgehend hinter den äußeren Fassaden Bellaventras verborgen.
Michael Schubert bleibt währenddessen das entscheidende Bindeglied zur Außenwelt. Er ersetzt Hugo nicht und führt auch kein eigenes Imperium neben ihm.
Er bleibt genau das, was er schon vorher war:
Hugos rechte Hand.
So entsteht 2006 ein bemerkenswerter Gegensatz. Hugo erreicht wirtschaftlich den höchsten Punkt, den ein Privatmann überhaupt erreichen kann, während sein persönlicher Lebensradius gleichzeitig immer kleiner wird.
Der reichste Mann der Welt zieht nach Uruguay – und verschwindet hinter Bellaventras Fassaden.
Plot 3A1 – 2007: Bellaventra fliegt auf
2007 ist Hugo 32 Jahre alt und besitzt ein Privatvermögen von 57,5 Milliarden Euro.
Seit seiner Übersiedlung nach Uruguay lebt er vollständig in Bellaventra. Über sein Privatleben ist fast nichts bekannt, weshalb besonders die 41 Schlafzimmer immer wieder für Spekulationen sorgen.
Einige erklären sich das zunächst mit Hugos Tätigkeit als internationaler Wertpapierhändler. Er arbeitet mit Banken, Analysten und Finanzexperten aus vielen Ländern zusammen und empfängt außerdem Familie, Freunde und Geschäftspartner.
Andere halten diese Erklärung für wenig überzeugend.
Dann wird von außen bekannt, was tatsächlich hinter einem großen Teil der Schlafzimmer steckt.
Die Spur führt nach Prag
Der Leak kommt nicht aus Bellaventra.
Die Beschäftigten in sensiblen Bereichen haben weitreichende Verschwiegenheitsvereinbarungen unterschrieben. Hugos Sicherheitsapparat kontrolliert Zugänge, Informationswege und die Einhaltung dieser NDAs.
Journalisten stoßen stattdessen außerhalb Uruguays auf eine gemeinsame Verbindung:
Alle Frauen, die für Hugos privaten Bereich nach Bellaventra kommen, werden über dieselbe Agentur in Prag vermittelt.
Sie stammen unter anderem aus Tschechien, Belarus, Russland und der Ukraine.
Einige haben bereits im Adult-Bereich gearbeitet, andere nicht.
Offiziell werden jedoch alle als Pornodarstellerinnen beschäftigt.
Dafür hat Hugo eigens eine Gesellschaft aufbauen lassen.
Die Scheinfirma
Formal handelt es sich um eine Adult-Filmproduktion.
Tatsächlich ist sie weitgehend eine Scheinfirma.
Es entstehen nur wenige Filme. Einen normalen öffentlichen Vertrieb gibt es praktisch nicht. Hugo selbst übernimmt beziehungsweise kauft das produzierte Material.
Die Gesellschaft soll kein Geld verdienen.
Ihr Zweck besteht darin, die Frauen offiziell als Pornodarstellerinnen beschäftigen zu können und ihre Tätigkeit eindeutig vertraglich festzulegen.
Bereits in Prag wird ihnen genau erklärt, was sie in Uruguay erwartet.
Die Verträge benennen ausdrücklich sexuelle Kontakte mit Hugo sowie intime Handlungen zwischen den Frauen.
Vaginalverkehr, Oralverkehr und Analverkehr werden ausdrücklich aufgeführt.
Hugo will damit verhindern, dass später jemand behaupten kann, unter einem anderen Vorwand nach Uruguay gekommen zu sein oder erst in Bellaventra erfahren zu haben, worauf sich die Beschäftigung tatsächlich bezieht.
Die Frauen erhalten dafür mehr als eine Million Euro netto im Jahr sowie ein zusätzliches persönliches Budget von ungefähr 120.000 Euro. Steuern und Abgaben werden regulär abgeführt.
Bellaventra als überwachte Wohnwelt
Die Adult-Produktion erfüllt für Hugo noch einen weiteren Zweck.
Er ist extrem misstrauisch und will sein unmittelbares Umfeld kontrollieren können.
Die Frauen leben dauerhaft in Bellaventra. Offiziell funktioniert der private Bereich daher ähnlich wie ein permanentes Adult-Big-Brother-Haus, in dem fortlaufend Material entstehen kann.
Das ermöglicht eine nahezu vollständige Kameraüberwachung.
Flure und Gemeinschaftsräume werden aufgezeichnet, ebenso Schlafzimmer und Badezimmer.
Offiziell dient das der Produktion von Filmmaterial.
Tatsächlich kann Hugo dadurch nahezu lückenlos nachvollziehen, was innerhalb seines privaten Bereichs geschieht.
Nur ein sehr kleiner Teil der Aufnahmen wird überhaupt zu fertigen Filmen verarbeitet. Der überwiegende Teil bleibt intern.
Die 41 Schlafzimmer bekommen eine Erklärung
Nun wird auch die Aufteilung des Hauses verständlich.
Im privaten Schlaftrakt befinden sich 30 Schlafzimmer rund um einen der großen Innenhöfe. Dazu kommt Hugos eigene Suite.
Weitere zehn Gästesuiten liegen im vorderen Bereich und werden ähnlich einem privaten Hotel geführt.
Dort wohnen Familie, Freunde und andere Gäste.
Auch neu aus Prag ankommende Frauen werden zunächst in diesem Bereich untergebracht. Sie durchlaufen zuerst ein medizinisches Aufnahmeverfahren mit wiederholten Untersuchungen auf sexuell übertragbare Infektionen und den vorgesehenen Wartezeiten.
Erst danach können sie in den eigentlichen Schlaftrakt wechseln.
Damit wird 2007 erstmals sichtbar, dass Bellaventra nicht einfach nur ein außergewöhnlich großer Wohnsitz ist.
Hinter den Fassaden existiert ein genau organisiertes System aus Vermittlung, Verträgen, Überwachung und vollständiger Abschirmung.
Und genau an diesem Punkt beginnt der politische Skandal.
Dort setzt Plot 3A2 an.
Plot 3A2 – 2007: Der politische Skandal
Nach den Enthüllungen über Bellaventra verlagert sich die Debatte sehr schnell vom Privatleben Hugos auf die politische Frage, wie Uruguay mit ihm umgehen soll.
Denn jetzt wird auch eine Klausel interessant, die Michael Schubert bereits bei Hugos Ansiedlung ausgehandelt hatte.
Diese Regel betrifft Hugos gesamte Organisation.
Bis zu 20 Prozent der Beschäftigten dürfen aus dem Ausland kommen. Schon bei den Verhandlungen hatte Schubert darauf bestanden, dass nicht festgelegt wird, welche Berufe darunterfallen.
Seine Begründung war von Anfang an weit gefasst.
Hugo brauche nicht nur internationale Analysten, Händler und Finanzexperten. Er könne ebenso besondere Ärzte, Köche, Butler, Sicherheitsspezialisten, Visagisten oder andere hoch spezialisierte Mitarbeiter benötigen.
Wenn Hugo für eine bestimmte Aufgabe die besten Leute aus dem Ausland holen wolle, müsse diese Möglichkeit bestehen.
Der Staat sollte deshalb innerhalb dieses Kontingents nicht jedes Mal prüfen, ob dieselbe Tätigkeit auch von einem Uruguayer übernommen werden könnte.
2007 bekommt diese Klausel plötzlich eine völlig neue Bedeutung.
Denn nun wird deutlich, dass auch die Frauen aus Prag über dieses System nach Uruguay kommen.
Auch offiziell beschäftigte Pornodarstellerinnen fallen unter die Regel.
Damit wird aus dem Bellaventra-Skandal eine politische Affäre.
In Fernsehsendungen wird heftig darüber gestritten, ob Hugo überhaupt noch in Uruguay bleiben sollte.
Seine Gegner werfen ihm vor, dem internationalen Ansehen des Landes zu schaden. Es geht um sein Frauenbild, um die enorme Macht seines Vermögens und um die Frage, ob ein einzelner Mann sich mit Geld praktisch seine eigene Welt schaffen dürfe.
Einige Kommentatoren sprechen vom reichen, mächtigen weißen Mann, der glaube, sich alles erlauben zu können.
Andere fragen, welches Signal ein solches Leben an junge Männer sende.
Es gibt offene Forderungen:
Hugo soll Uruguay verlassen.
Doch gleichzeitig entsteht eine Gegenbewegung.
Andere weisen darauf hin, dass gesellschaftliche Ablehnung allein keinen Rechtsbruch darstellt.
Die Frauen seien bereits in Prag über ihre Tätigkeit informiert worden.
Sie hätten entsprechende Verträge unterschrieben.
Sie würden außerordentlich gut bezahlt.
Steuern und Abgaben würden entrichtet.
Und die Adult-Produktion sei ein legaler Geschäftszweig.
Damit wird die Diskussion grundsätzlicher.
Die Frage lautet nicht mehr nur, ob man Hugos Lebensweise gut oder schlecht findet.
Die Frage lautet:
Kann ein Rechtsstaat gegen jemanden vorgehen, weil große Teile der Öffentlichkeit dessen Lebensweise ablehnen, obwohl sich daraus nicht automatisch ein Gesetzesverstoß ergibt?
Frau Bondi versucht, die öffentliche Diskussion möglichst klein zu halten.
Sie bestätigt nur das, was ohnehin bekannt ist.
Die Gesellschaft existiert.
Die Frauen sind dort beschäftigt.
Die gesetzlichen und steuerlichen Verpflichtungen werden erfüllt.
Über Hugos persönliche Beziehungen äußert sie sich nicht.
Michael Schubert hält sich aus der Diskussion über Hugos Privatleben heraus. Er kümmert sich um Verträge, wirtschaftliche Fragen und die Kontakte zur Regierung.
Hugo selbst schweigt vollständig.
Er bleibt in Bellaventra.
Damit endet 2007 mit zwei klaren Lagern.
Auf der einen Seite stehen diejenigen, die Hugo für einen Skandal halten und wollen, dass er das Land verlässt.
Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die sagen, dass persönliche Abneigung kein ausreichender Grund ist, einen Menschen aus Uruguay zu drängen.
Die Regierung gerät genau zwischen diese beiden Positionen.
Und sie weiß bereits, dass sie die ursprüngliche 20-Prozent-Regel neu verhandeln muss.
Genau dort setzt Plot 3B an.
Plot 3B – 2008: Finanzkrise, Ermittlungen und Hugos Gegenoffensive
2008 verschiebt sich die gesamte Diskussion um Hugo.
Noch immer wird in Uruguay darüber gestritten, ob ein Mann mit seinem Lebensstil überhaupt ins Land passt. Die Regierung steht zwischen Kritikern, die ihn loswerden wollen, und denen, die darauf verweisen, dass persönliche Ablehnung keinen Rechtsbruch ersetzt.
Dann beginnt die internationale Finanzkrise.
Der amerikanische Häusermarkt bricht ein.
Hugo hat sich frühzeitig massiv gegen diesen Markt positioniert.
Die Wette geht auf.
Sein Vermögen steigt 2008 auf 93,1 Milliarden Euro.
Und damit stellt sich sofort wieder dieselbe Frage:
Woher wusste er das?
Die Amerikaner beginnen zu ermitteln
Die SEC nimmt Hugos Geschäfte genau unter die Lupe.
Besonders interessant wird dabei eine Reise Michael Schuberts durch die Vereinigten Staaten.
Schubert war dort nicht allein unterwegs. Er hatte Analysten dabei – und außerdem mehrere Mitarbeiter aus Hugos Sicherheitsdienst.
Genau daraus versuchen amerikanische Ermittler einen Verdacht zu konstruieren.
Hugos Sicherheitsapparat ist eigentlich für Personenschutz, Abschirmung, Informationssicherheit und die Durchsetzung der Verschwiegenheitsvereinbarungen zuständig.
Auch Schubert selbst steht unter Personenschutz.
Dass Sicherheitskräfte ihn bei einer längeren Reise begleiten, ist deshalb zunächst nichts Besonderes.
Doch in den Vereinigten Staaten bekommt die Sache plötzlich eine andere Deutung.
In Medien und Ermittlerkreisen taucht die Frage auf, ob Hugos Sicherheitsdienst in Wahrheit nicht nur schützt, sondern auch wirtschaftlich verwertbare Informationen beschafft.
Aus Schuberts Reise wird plötzlich die Geschichte eines angeblichen privaten Nachrichtendienstes.
Die zugespitzte These lautet:
Hat Hugo seinen eigenen Sicherheitsapparat benutzt, um börsenrelevante Informationen über den amerikanischen Immobilienmarkt zu sammeln?
Schubert weist das zurück.
Die Sicherheitskräfte hätten ihn und die Analysten lediglich geschützt.
Die Marktanalyse sei von ihm selbst und den Finanzexperten vorgenommen worden.
Sie hätten Immobilienregionen besucht, Kreditvergaben untersucht, Preise mit Einkommen verglichen und sich angesehen, welche Hypotheken überhaupt noch vergeben wurden.
Schuberts Erklärung bleibt einfach:
Man musste nur hinsehen.
Die Blase sei offen sichtbar gewesen.
Trotzdem laufen die Ermittlungen weiter.
Man sucht nach internen Bankdaten, Informanten, geheimen Kontakten oder anderen Quellen, die erklären könnten, warum Hugo so konsequent gegen den Markt gewettet hat.
Doch es findet sich nichts.
Uruguay gerät wieder unter Druck
Die amerikanischen Behörden bitten auch Uruguay um Unterstützung.
Damit bekommt die innenpolitische Debatte eine neue Dimension.
Gerade erst hatte man über Bellaventra, die Frauen und die Sonderregelungen für ausländische Beschäftigte gestritten.
Jetzt steht plötzlich die Frage im Raum, ob Uruguay einem der reichsten Männer der Welt Schutz bietet, während amerikanische Behörden wegen möglicher Finanzdelikte gegen ihn ermitteln.
Seine Gegner sehen sich bestätigt.
In Talkshows heißt es nun sinngemäß:
Erst Bellaventra.
Dann die Pornoproduktion.
Jetzt die Finanzermittlungen.
Wie lange will Uruguay diesen Mann noch dulden?
Andere halten dagegen.
Bislang gebe es einen Verdacht, aber keinen Beweis.
Und gleichzeitig verändert sich Hugos wirtschaftliche Rolle im Land bereits grundlegend.
Hugo geht in die Realwirtschaft
Bis zu diesem Zeitpunkt hat Hugo sein Vermögen vor allem als internationaler Wertpapierhändler aufgebaut.
2008 beginnt er erstmals, dieses Modell fundamental zu verändern.
Er kündigt an, rund 100 Milliarden Euro in die weltweite Realwirtschaft zu investieren.
Nicht in kurzfristige Spekulationen.
Sondern in Unternehmen, Beteiligungen, Technologie, Infrastruktur und langfristige Geschäftsfelder.
Davon sollen drei Milliarden Euro nach Uruguay fließen.
Gleichzeitig gibt Hugo den vollständigen Ausbau des Voss-Centers frei.
Bis dahin existiert nur der erste Teil des späteren Gesamtkomplexes.
Nun beginnt die nächste große Bauphase.
Doch Hugo will nicht warten, bis alle Gebäude fertig sind.
Parallel zum Bau beginnt bereits die Rekrutierung.
Provisorische Büros und Ausbildungsbereiche werden eingerichtet. Neue Beschäftigte werden eingestellt, geschult und auf ihre späteren Aufgaben vorbereitet.
Denn wenn Hugo tatsächlich hundert Milliarden Euro weltweit investiert, braucht er deutlich mehr Analysten, Kontrolleure, Fachleute und Führungskräfte, die diese Beteiligungen überwachen.
Für das erweiterte Voss-Center werden rund 6.000 zusätzliche Mitarbeiter vorgesehen.
Damit wächst Hugos direkte Beschäftigtenbasis in Uruguay langfristig auf ungefähr 23.000 Menschen.
Die Regierung verhandelt neu
Genau jetzt wird auch die Frage der ausländischen Beschäftigten neu geregelt.
Die Regierung akzeptiert nicht, dass die ursprüngliche 20-Prozent-Regel unverändert weiterläuft.
Es wird neu verhandelt.
Künftig dürfen maximal 800 ausländische Beschäftigte unter den besonderen Bedingungen nach Uruguay kommen.
Für 700 davon gelten stärkere Anforderungen.
Vor allem bei ausländischen Führungskräften soll jeweils ein Uruguayer unterhalb dieser Position aufgebaut werden, damit Know-how und Verantwortung langfristig im Land bleiben.
Bei den letzten 100 Stellen bleibt Hugo jedoch hart.
Diese Positionen will er vollkommen frei besetzen können.
Keine abschließende Berufsliste.
Keine Prüfung, ob dieselbe Aufgabe auch von einem Uruguayer übernommen werden könnte.
Hugos Seite argumentiert weiterhin, dass darunter nicht nur Analysten oder Führungskräfte fallen können.
Es könne sich ebenso um Ärzte, Köche, Butler, Sicherheitsspezialisten, Visagisten oder andere besondere Kräfte handeln.
Und eben auch um die Frauen aus Prag.
Die Regierung akzeptiert schließlich diesen Kompromiss.
Der wirtschaftliche Gegenpol wächst
Während in Washington weiter ermittelt wird, entsteht in Uruguay eine immer stärkere Gegenbewegung zu Hugos Kritikern.
Tausende neue Arbeitsplätze werden angekündigt.
Der Ausbau des Voss-Centers beginnt.
Neue Mitarbeiter werden bereits eingestellt, obwohl ihre späteren Büros noch gar nicht fertig sind.
Hinzu kommen hohe Gehälter.
Und nach dem außergewöhnlich erfolgreichen Geschäft gegen den amerikanischen Häusermarkt lässt Hugo rund zwei Milliarden Euro an Boni ausschütten.
Diese Boni gehen nicht an alle gleichermaßen, sondern vor allem an Führungskräfte, Analysten und andere Mitarbeiter, die an den erfolgreichen Entscheidungen beteiligt waren.
Ein erheblicher Teil dieses Geldes bleibt in Uruguay.
Es wird in Immobilien investiert.
In Häuser.
In Wohnungen.
In Unternehmen.
In Konsum.
Damit wirkt Hugos Gewinn nicht nur über seine Firmen, sondern zunehmend auch über die privaten Vermögen seiner Mitarbeiter auf die uruguayische Wirtschaft.
Die Bildungsstiftung
Gleichzeitig wächst Hugos Bildungsstiftung.
Sie verfügt inzwischen über rund 300 Millionen Euro und sitzt ebenfalls im Voss-Center.
Sie finanziert Stipendien, Schulprojekte, Bildungsreisen und Programme für Schüler und Studenten.
Damit wird Hugo politisch immer schwerer einzuordnen.
Seine Gegner zeigen auf Bellaventra und die Pornoproduktion.
Seine Unterstützer zeigen auf Arbeitsplätze, hohe Gehälter, Bonuszahlungen, Investitionen und die Stiftung.
Und die Regierung steht genau dazwischen.
Zwei Lager auf der Straße
Aus der Fernsehdebatte wird zunehmend eine gesellschaftliche Bewegung.
Es gibt Demonstrationen gegen Hugo.
Menschen fordern, dass Uruguay sich von ihm distanziert.
Aber inzwischen gibt es auch Demonstrationen für ihn.
Beschäftigte, Familienangehörige, Zulieferer und Menschen, die von seinen Investitionen profitieren, machen deutlich, dass sie wollen, dass er bleibt.
Nicht unbedingt, weil sie sein Privatleben verteidigen.
Sondern weil Hugo inzwischen zu einem wirtschaftlichen Faktor geworden ist.
Die Regierung muss deshalb zwei Dinge gleichzeitig tun.
Sie muss amerikanische Rechtshilfeersuchen prüfen und darf Hugo keinen Sonderstatus außerhalb des Rechts geben.
Gleichzeitig kann sie nicht ignorieren, dass immer mehr Menschen unmittelbar von seinen Unternehmen abhängig sind.
Damit wird aus Hugo endgültig nicht mehr nur eine Person.
Er wird zu einem politischen und wirtschaftlichen Faktor, an dem sich das Land spaltet.
Ende 2008
Die amerikanischen Ermittlungen laufen weiter.
Noch gibt es keinen Beweis für Insiderhandel oder illegale Informationsbeschaffung.
Aber der Verdacht bleibt.
Der Sicherheitsapparat, der ursprünglich zur Abschirmung Bellaventras und zum Schutz Hugos aufgebaut wurde, wird in den Vereinigten Staaten zunehmend als möglicher privater Nachrichtendienst dargestellt.
Hugo selbst reagiert darauf nicht öffentlich.
Stattdessen investiert er.
Er baut das Voss-Center aus.
Er stellt Menschen ein.
Er zahlt Boni.
Und genau dadurch beginnt sich die Frage in Uruguay zu verändern.
Es geht nicht mehr nur darum:
Soll Hugo bleiben?
Sondern zunehmend auch darum:
Was würde passieren, wenn er tatsächlich ginge?
Dort endet Plot 3B vorerst.
Plot 3C – Hugo wird zum wirtschaftlichen Machtfaktor
Ab 2009 beginnt sich die Lage um Hugo langsam zu beruhigen.
Nicht, weil seine Kritiker verschwinden.
Sondern weil sein wirtschaftlicher Einfluss immer größer wird und die politischen Auseinandersetzungen dadurch komplizierter werden.
Die uruguayische Regierung hat sich mit ihm auf neue Regeln geeinigt, das Voss-Center wächst weiter, und die angekündigten Investitionen beginnen tatsächlich zu fließen.
Von den insgesamt vorgesehenen 100 Milliarden Euro investiert Hugo 50 Milliarden Euro in den Vereinigten Staaten.
Das Geld geht in langfristige strategische Beteiligungen an großen Medienunternehmen, Internetkonzernen und den damals stark wachsenden Social-Media-Unternehmen.
Damit entsteht auch mit den Amerikanern ein politisch brauchbarer Ausweg.
Die Ermittlungen gegen Hugo verschwinden nicht sofort, verlieren aber deutlich an Schärfe. Man kann ihm weder Insiderhandel noch illegale Informationsbeschaffung nachweisen. Gleichzeitig fließt ein erheblicher Teil seines Kapitals in die amerikanische Wirtschaft.
Offiziell ist das weder eine Strafe noch ein Schuldeingeständnis.
Faktisch entsteht jedoch eine Verständigung: Die Vereinigten Staaten erhalten langfristiges Kapital, Hugo behält Zugang zum amerikanischen Markt und der Konflikt kühlt langsam ab.
Die Bildungsstiftung wächst weiter
Parallel dazu baut Hugo seine Bildungsstiftung in Uruguay aus.
Sie stellt inzwischen 300 Millionen Euro jährlich für Bildungsprojekte bereit.
Damit werden Stipendien, Schulprogramme, Klassenfahrten, Ausbildungsprogramme und weitere Projekte rund um Schule, Studium und berufliche Qualifikation finanziert.
Hugo macht ausdrücklich klar, dass diese Summe keine feste Obergrenze ist.
Wenn der tatsächliche Bedarf größer wird und sinnvolle Projekte vorhanden sind, ist er bereit, zusätzliche Mittel bereitzustellen und auch weiteres Personal für die Stiftung einzustellen.
Die Stiftung entwickelt sich damit zu einem sichtbaren Bestandteil des Voss-Centers.
Für Kritiker ist genau das problematisch.
Sie sehen darin einen immer größeren privaten Einfluss auf Bereiche, die eigentlich staatlich geprägt sein sollten.
Seine Unterstützer halten dagegen, dass entscheidend sei, was tatsächlich finanziert und ermöglicht wird.
Mehr Geld fließt nach Uruguay
Hugos wirtschaftliche Wirkung wird zunehmend auch außerhalb seiner eigenen Unternehmen sichtbar.
Er zahlt seinen Beschäftigten im Durchschnitt etwa zehn Prozent mehr als andere Arbeitgeber für vergleichbare Tätigkeiten.
Hinzu kommen hohe Bonuszahlungen, besonders bei Führungskräften, Analysten und anderen Schlüsselpositionen.
Dieses Geld wird zu einem erheblichen Teil in Uruguay ausgegeben oder investiert.
In Montevideo werden hochwertige Wohnungen gekauft.
Es entstehen neue Villenprojekte.
Teile der Führungsspitze erwerben zusätzlich Ferienwohnungen oder Häuser in Punta del Este.
Restaurants, hochwertige Geschäfte und spezialisierte Dienstleister profitieren davon.
Damit entsteht eine zweite wirtschaftliche Wirkung neben Hugos eigenen Investitionen.
Nicht nur sein Kapital verändert das Land.
Auch das Einkommen seiner Beschäftigten tut es.
Hugos Einfluss wächst in Lateinamerika
Uruguay bleibt das Zentrum seiner Aktivitäten in der Region.
Doch Hugo investiert inzwischen auch stark außerhalb des Landes.
Besonders bedeutend werden Paraguay, Kolumbien und Ecuador.
Noch wichtiger ist Brasilien.
Als größte Volkswirtschaft Lateinamerikas wird Brasilien zu einem der zentralen Märkte für Hugos langfristige Beteiligungen und Projekte.
In Argentinien bleibt er dagegen auffallend zurückhaltend und investiert nur vergleichsweise wenig.
Darüber hinaus engagiert er sich in Panama, Mexiko und mehreren Ländern der Karibik.
Damit entsteht nach und nach ein weit verzweigtes lateinamerikanisches Beteiligungsnetzwerk, das vom Voss-Center in Uruguay aus gesteuert und überwacht wird.
„Soll er doch leben, wie er will“
Auch gesellschaftlich verändert sich die Stimmung.
Die heftige Empörung von 2007 verliert mit der Zeit an Kraft.
Viele Menschen kommen zu einer pragmatischen Haltung:
Soll Hugo in Bellaventra leben, wie er will.
Manche mögen ihn.
Manche hassen ihn.
Andere interessiert sein Privatleben kaum noch.
Der entscheidende Unterschied zu 2007 besteht darin, dass die Forderung, Hugo müsse Uruguay verlassen, zunehmend an Zustimmung verliert.
Denn inzwischen ist sichtbar, was wirtschaftlich an ihm hängt.
Arbeitsplätze.
Gute Gehälter.
Bonuszahlungen.
Unternehmensinvestitionen.
Immobilienprojekte.
Die Bildungsstiftung.
Zulieferer.
Neue Geschäfte und Dienstleistungen.
Und ständig neues Kapital.
Die Kritiker wechseln das Thema
Gerade weil Hugo wirtschaftlich immer wichtiger wird, verändert sich auch die Kritik an ihm.
Es geht nun weniger darum, was hinter den Mauern Bellaventras geschieht.
Stattdessen lautet der Vorwurf zunehmend:
Hugo wird zu mächtig.
Seine Gegner weisen darauf hin, dass sein Einfluss längst über einzelne Unternehmen hinausgeht.
Er wirkt auf Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt, Bildung und Investitionsentscheidungen.
Je größer seine wirtschaftliche Bedeutung wird, desto schwieriger werde es für jede Regierung, Entscheidungen gegen seine Interessen zu treffen.
Die Kritik verschiebt sich damit vom persönlichen Skandal zur Machtfrage.
Wie viel Einfluss darf ein einzelner Privatmann auf ein Land entwickeln?
Die Regierung bleibt in der Mitte
Für die uruguayische Regierung ist genau das die schwierige Position.
Sie kann Hugos wirtschaftliche Bedeutung nicht ignorieren.
Sie darf ihm aber auch keinen Sonderstatus außerhalb des Rechts einräumen.
Wenn Behörden etwas prüfen müssen, wird geprüft.
Wenn internationale Rechtshilfeersuchen eingehen, werden sie behandelt.
Gleichzeitig versucht die Regierung, möglichst viel von Hugos wirtschaftlichem Wachstum dauerhaft im Land zu halten.
Der bestehende Kompromiss über ausländische Beschäftigte bleibt dabei bestehen. Uruguay erhält mehr eigene Fach- und Führungskräfte, ohne das internationale Personal vollständig zu verdrängen.
Damit wird aus dem Streit von 2007 langsam eine andere politische Realität.
Hugo ist nicht beliebter – aber schwerer wegzudenken
Innerhalb weniger Jahre hat sich die Situation grundlegend verändert.
2007 wurde darüber diskutiert, ob Hugo überhaupt in Uruguay bleiben sollte.
Nun geht es darum, wie groß sein Einfluss bereits geworden ist.
Die großen amerikanischen Ermittlungen haben kein Finanzdelikt nachweisen können.
Ein erheblicher Teil seines Kapitals fließt langfristig in amerikanische Unternehmen.
Seine Stiftung wächst.
Das Voss-Center wird immer wichtiger.
Und gleichzeitig verteilt sich immer mehr privates Vermögen seiner Beschäftigten auf Montevideo, Punta del Este und andere Teile des Landes.
Hugo ist dadurch nicht automatisch beliebter geworden.
Aber er ist wesentlich schwerer wegzudenken.
Und genau darin liegt der neue Konflikt:
Je größer sein wirtschaftlicher Nutzen wird, desto stärker wächst bei seinen Gegnern die Sorge, dass Uruguay irgendwann zu abhängig von ihm sein könnte.
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